


Tages-Anzeiger, 4. August 2005
Zürcher Poptradition auf Prüfstand
Der vom Zürcher Popkredit finanzierte Stadtsommer beginnt heute: sechsmal lokale Livemusik unter freiem Himmel - ohne Eintritt. Wie klingt Zürich, und wie überleben junge Musiker?
Von Tobi Müller
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Visionen brauchen drei Standbeine
Die 29-jährige Sängerin Nina Salis stellt auf dem Platzspitz heute zwei Projekte vor. Zuerst hören wir Feld, ein Duo mit dem Liveelektroniker Michael Imfeld - mit den Spoken-Word-Einlagen auf Englisch und Deutsch sowie lautmalerischen Passagen ergibt Feld einen Bastard von Lounge und Konzertantem, von aufmerksamem Sofa und gebrochener Tanzfläche. Dann folgt Bellatrice, ein Quintett von Salis, das zeitgenössischen Jazz mit Laptop und Kontrabass vereint. Weniger die stilistische als die klangliche Anmutung ihrer Musik liesse sich auf Unknownmix zurückführen.
Soeben hat die Zücherin Salis das Studium an der Jazzschule Luzern beendet und steht noch am Anfang ihrer Berufskarriere. Luzern gilt schon lange als stilistisch offene Schule. «Das Studium vermittelte mir die Werkzeuge, eigene Visionen zu verwirklichen», sagt Salis. Sie weiss, dass Visionen selten ein Auskommen bedeuten, und spricht von drei «Standbeinen». Neben dem Musizieren unterrichtet sie an einer Kantonsschule und arbeitet als freie Journalistin für Jazz bei Radio DRS 2. Tonträger finanziert sie über Liveauftritte. Doch die Bereitschaft, anderes als den Mainstream zu verpflichten, ist laut Salis gesunken. Wie für viele andere sind Hochzeiten oder Feste mit Kurzauftritten nach wie vor eine gute Einnahmequelle.
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Bilder: Dieter Seeger, Petra Baumann, PD
Der Popkredit der Stadt bringt sechs Zürcher Acts für einen Abend ins Trockene, unter anderem auf dem Platzspitz (von oben links im Uhrzeigersinn): Lauschangriff, Phenomden, Biggles, Gustavo, Nina Salis, E.K.R
